Andreas Stadler

Freier Lektor und Autor

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Die Infantilen

Eine Rampe auf der Kieler Woche, wo sich todesmutige Menschen auf Fahrrädern und Surfbrettern ins Wasser stürzen, beklatscht von einer Menge; eine Masse Menschen in einer Kneipe, die plötzlich zum Hit „I’m a Barbie-Girl“ auf den Tischen tanzen, sich rekeln, sich über die Haare streichen, und ein Hamburger mit süßer Tomatensoße. Was haben diese drei Dinge miteinander zu tun? Nun, sehr viel: Es handelt sich um eine Infantilisierung der Gesellschaft, des Geschmacks, kulturell, musikalisch oder kulinarisch. 

Je verunsicherter eine Gesellschaft desto sinnloser sind die Spiele, die Musik und das Essen. Die berühmte amerikanische Fast-Food-Kette mit dem großen M betreibt schon seit ihrer Entstehung eine verkindlichung des Geschmacks durch den Einsatz von sehr viel Zucker und Verfälschung des Burger-Konzeptes. Wer in einem Diner mal einen Hamburger bestellt, wird sich wundern, wie groß, wie anders eigentlich ein Hamburger ist und schmeckt – und wie weit er von dem entfernt ist, was die FastFood-Kette anbietet. Es wird einem auch bewusst, um wieviel Geld, Zutaten und Geschmack man eigentlich geprellt wurde. Denn oft bekommt man einen guten Hamburger zum gleichen Preis wie einen schlechten Hamburger aus der Fast-Food-Kette. Das Brötchen ist bissfesst, frisch, das Fleisch ist saftig und es gab dazu Zwiebeln und Pommes – nur die nervige süße Tomatensoße fehlt. Und man merkt, wozu sie eigentlich da war. Um die miserable Qualität des Fast-Food-Produktes zu überdecken. Doch das Bild vom süßen Hamburger oder Cheeseburger mit dem wabbeligen „Brötchen“ hat sich irgenwie eingebrannt.  Den speziellen süßen Ketchup gibt es längst im Supermarkt zu kaufen. Nur so ist zu verstehen, warum die Fast-Food-Kette mit dem großen M trotz Konkurrenz von sehr viel besseren Dinern, Dönerläden immer noch regen Zulauf hat. Kinder wollen es so: es ist billig und es ist süß!
Der Hit „Barbie-Girl“ versetzt urplötzlich junge Menschen in  ihr Kindesalter zurück, Frauen und Männer, wo sie noch mit Puppen spielten, wo sie noch unschuldig waren. Die Aussage des Songs ist rein sexuell und gleich null: „You can brush my hair and (un)dress me everywhere“. Barbie bietet sich an, Ken antwortet: „Let’s go party.“ „Aa, aa, aa, yeah.“ Dass der Song trotzdem auf jeder Party wunder wirkt hat eben mit jener Infantilisierung zu tun. Das erstreitet man erst hart jedes Quäntchen Gleichberechtigung, kämpft gegen Sexismus und wirft alles in null komma nix wieder über Board, sobald dieser Song erklingt. Eigentlich sollten die Kämpfer und Kämpferinnen gegen Sexismus den DJ ausbuhen. 
Dass dieselben Leute auch noch Menschen beklatschen, die sich von einer Rampe auf einem rollenden Surfbrett ins Wasser folgt dem selben Muster. Welchen Sinn verfolgt dieses Spiel? Veranstalter des Ganzen ist eine bekannte Software-Firma. Jedes Mal wenn ein neuer Mutiger an den Start geht, gibt es hohe Flammen und ein paar Raketen werden schießen in den Nachthimmel. Dann rast der Todesmutige die lange Rampe hinunter und…fällt in Wasser. Manchmal gelingt noch ein  hübscher Salto bevor Fahrer und Gefährt aufklatschen. Ziel des Spiels? Vielleicht ein kostenloses Update? Die neueste Version von MS Office? Windows 11? 
Ein Update hätte die Gesellschaft dringend nötig! Sie hat sich in einer Spirale des Infantilismus verfangen und scheint nur noch um ihre verlorene Kindheit zu kreisen: kulturell, musikalisch und geschmacklich!

Besser klein als nie

Heute hat in Köln eine Demonstration unter dem Motto #Nichtmituns gegen islamistischen Terrorismus stattgefunden, organisiert von ein paar wenigen islamischen Verbänden und medienwirksamen Personen wie der muslimischen Religionslehrerin Lamya Kadddor. Unterstützt wurde die rund 2000 Mann starke Demo auch von Parteien wie SPD, Linken, Grünen. Das ist für eine Demo gegen Terror nicht gerade viel, verglichen mit der Größe der berühmten Lichterketten gegen Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt – und ich halte es auch für einen absoluten Fehler, dass sich sofort politische Parteien in Deutschland zur Hilfe eilend anschließen, dadurch werden die Muslime aus der Selbstverantwortung genommen, ganz so als könnten sie eine solche Demo nicht auch alleine hinbekommen – doch wenigstens war es ein Anfang. Bei der nächsten Demonstration gegen islamistischen Terror dürften sich gern mehr Muslime beteiligen, vor allem diejenigen muslimischen Verbände, die dieses Mal wie DITIB durch Abwesenheit und Absage glänzten. Aber bitte ohne Beteiligung aus der deutschen Parteienlandschaft – das müssen, das können die Muslime schon ganz allein machen – wenn man sie nur lässt.

Wie am Heiligen Abend vorm Tannenbaum: Katja Kipping hält eine Rede.

Da ich parteilich noch weitgehend unabhänging bin, kann ich mir ein kleines Bashing selbst doch erlauben. Da dies eine Subdomain eines Lektorats-Dienstes ist soll es heute auch ein bisschen literarisch werden.

Ich habe den Parteitag der Partei die Linke etwas mitverfolgt. Bei der Rede von Katja Kipping ist mir etwas aufgefallen. Vielleicht geht es Ihnen lieber Leser genauso. 
Es mag an ihrer Stimme liegen oder an ihrer Körperhaltung. Katja Kipping, Spitzenkandidatin der Linken für den Bundestag, steht vor der roten Wand mit den Lettern „Die Linke“, kerzengerade, schön zurecht gemacht und hält ihre Rede. Wie ein kleines Mädchen, angespannt vorm Tannenbaum am Heiligen Abend stehend, den Blick auf die Eltern gerichtet, die Gedanken teils bei der Rede, teil schon beim Pony, das sie sich schon so lange wünscht. Natürlich ein echtes, keines aus Plastik!: „Lieber, guter Weihnachtsmann, schau mich nicht so böse an…“ Diesmal fehlte nur der Tannenbaum, und natürlich das Pony. 
Die Umfragewerte der Linken liegen derzeit nicht sehr gut. Aktuell teilen Sie sich ungefähr einen Platz mit den Grünen, liegen aber unter der AFD und FDP.
Sonntagsumfrage Infratest-Dimap (Stand: 10.06.2017)
Linke Positionen scheinen sich trotz der großen Tannbaumreden von Frau Kipping wenig gefragt zu sein oder zu verfangen bei Wählern und Hörern, und zwar schon über Jahre hinweg. Vielleicht daher auch der Ton eines Gedichtes. Vielleicht war es also ein Stoßgebet oder eine Bitte an eine höhere Macht, die den Linken doch endlich zu besseren Ergebnissen und damit die Chance auf Regierungsmitarbeit, also zum langersehnten Pony, verhelfen. 
Ja, diese Partei ist in ihren Wünschen klar. Zwar meist realitätsfern und triefend vor Ideologie wie ein gefüllter Honigtopf, aber klar! Man kann eben auch unrealistische Dinge mit Überzeugung sagen. „Es gibt den Weihnachtsmann, es gibt den Osterhasen, und die rosa Welt mit bunten Blumen, wo sich alle lieb haben, Sie müssen uns nur wählen“, so oder so ähnlich könnte das Kochrezept für die Reden dieser Partei aussehen. Und ja, diese Partei hat auch manch guten Punkt, z.B. bei ihrer Absage zu weiteren Waffenverkäufen an Saudi-Arabien und dem Nein zu weiteren militärischen Aktionen im Nahen Osten oder dem Werben um ein gutes Verhältnis mit Russland.  Aber diese Durchtränktheit mit Ideologie, dieser Glaube an eine heile Welt lässt meinen Stift bei der Wahl dann doch woanders hinwandern. 

SPD, Mut, Mut, Mut

Die SPD ist derzeit sicher nicht in der besten Verfassung. Zwei verlorene Wahlen hintereiander haben die der Partei gezeigt, Schulz alleine reicht nicht. Es reicht nicht, alleine nur einen beliebten Kandidaten auf allen Bühnen auftreten zu lassen. Es muss mehr getan werden. Es ist richtig, zu Fehlern aus der Vergangenheit zu stehen, doch alleine dies reicht ebenfalls nicht. Schulz muss jetzt vor allem begründen, warum er besser als Angela Merkel geeignet ist. Wie er seine Reformvorschläge bei HARTZ IV und Rentenkonzepten finanzieren will. Steigen die Beiträge doch? Wieweit wird man auf den Faktor Migration setzen? Wieviel Migration ist sozial verträglich? 

Nur wenn er diese Fragen sicher beantworten kann, wird er eine reelle Chance gegen Angela Merkel haben. Dafür braucht es weder Bashing gegen andere Parteien, noch große Auftritte, sondern vor allem Mut!

Bildquelle: TAZ

Geplante G20 – Demo: „Alles ist besoffen und tanzt“?

Der G20 Gipfel, das größte internationale Treffen der größten Wirtschaftsnationen der Welt startet am 6./7. und 8. Juli in Hamburg. Angekündigt haben sich natürlich auch die Protestler. Junge Leute, von 16-99, Schüler, Studenten, Rentner Alte, Junge, alles wird auf den Beinen sein in Hamburg, das zumindest haben sich die Veranstalter vorgenommen. Sie wollen omnipräsent in der Metropole sein. Jetzt erst recht, nachdem die Polizei ihnen offenbar einen Strich durch die Rechnung bei der Planung ihrer Demonstrationsroute gemacht hat. Diese wird laut Veranstalter nun nicht mehr direkt vor dem Messegelände möglich sein, sondern weiter ab. 

Wenn man sich die geplanten Aktionen in diesem Video so anhört, kann man den Eindruck gewinnen, dass gerade durch diese Aktionen mehr Chaos verursacht wird als es eh schon in der Stadt gibt. Die Veranstalter sprechen davon, dass sie den Verkehr um das Messegelände lahmlegen wollen, den Journalisten soll der Zugang zum Messegelände erschwert werden. Warum nun gerade den Journalisten, die nur ihre Arbeit machen, eigentlich ein neutrales Bild des Gipfels abgeben wollen, bleibt ein Rätsel. Weitere Aktionen am Hafen sind geplant. Dort wollen die Aktionisten dann dafür sorgen, dass der CO2-Ausstoß dort reduziert wird,  Das mutet phantastisch im Sinne von Science-Fiction an. Soll der Schiffsverkehr am Hafen lahmgelegt werden?
Und warum muss am Ende eigentlich immer getanzt werden? 
Zum Abschluss der Demo sind gemeinsame Tanzaktionen gegen G20 auf den Straßen geplant. Eine Rave-Party. Da drängt sich bei mir der Gedanke auf: Ja, und warum jetzt? Nehmen die Protestler sich wirklich selbst ernst? Was soll das bewirken? Ein Tanz auf den Straßen. Das sieht vielleicht lustig und nett aus, aber was soll das bringen?l Schlimmer noch: Zieht sich damit die ganze Bewegung nicht selbst ins Lächerliche? Bei allem Verständnis für den Protest der Leute, kann man sie bei diesen ganzen Aussagen noch ernst nehmen? 
Ich erinnere mich an meinen Onkel, der von meiner Generation einmal sagte: „Alles ist besoffen und tanzt“. Anscheinend war seine Einschätzung nicht so falsch. Überspitzt möchte ich hier sagen: „Reiche Kinder mit viel Freizeit!“ 
Vor allem aber erstaunt, wogegen meine Generation hier demonstriert. Verglichen mit der Situaton junger Leute in Ländern wie China, Nordkorea, Afghanistan, Spanien oder Syrien geht es ihnen hier wirtschaftlich sehr gut. Proteste sind doch meist Aktionen, die auf den eigenen Notstand aufmerksam machen sollen.  Sie ist ein Druckmittel gegen Regierende, diese eigene Situation zu ändern. Der Klimawandel ist vielleicht bedenklich, hat hier zulande aber noch nicht zu einem Niedergang der Wirtschaft geführt. Wogegen also demonstriert meine Generation bei G20? Sind es womöglich „Rebels without a cause“?

Positive Erzählung statt Leitkultur

Gestern hing ich bei einem Spüaziergang mit meinen Gedanken noch bei meinem letzten Blog zur Leitkultur „Multi-Kulti als Alptraum – Ja zur Leitdebatte“. Vielleicht habe ich etwas vorschnell mein „Ja-Wort“ gegeben. Ich gebe dem konservativen Journalisten Roland Tichy Recht, der die Debatte für notwendig und anders als andere für nicht „vergiftet“ hält. Aber auch er konnte sich mit dem Begriff selbst nicht anfreunden. Ich dachte darüber nach: Warum fällt es so schwer den Begriff zu nennen und wenn nicht, was bräuchte man stattdessen.

Mir kam mein kulturwissenschafltiches Studium in Erinnerung und damit die Gebiete der Erzählforschung und Mentatlitätsforschung. So möchte ich einen pragmatischen Vorschlag machen. Was es möglicherweise mehr braucht als eine „Leitkultur“ ist eine neue positive Erzählung von sich als Gesellschaft. Nach dem Vorbild der Amerikaner. So wie es immer noch bei aller berechtigen Kritik an ihm einen „American Dream“ gibt, so müsste es auch einen „German dream“ geben. Eine neue, positive Erzählung der „Deutschen“, was es heißt „deutsch zu sein“, oder sagen wir lieber in „Deutschland“ zu leben. Ohne dabei der AFD anheim zu fallen, braucht es eine Rekurrierung auf die Kultur der Deutschen, was oft in die Bezeichnung „Das Land der Dichter und Denker“ einfließt, oder worauf dann dort Bezug genommen wird. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dieses letztlich mit ihrem Plädoyer für das Wiedererlernen von heimatlichen Weihnachtsliedern gemeint. Ein richtiger Ansatz, der aber in der Kritik an ihrer Asypolitik wieder unterging. Natürlich ist mir klar, dass so etwas wie „Deutschsein“ oder den „Deutschen“ nicht geben kann.  Eine neue Erzählung würde aber bei den geistigen Errungenschaften wie der Aufklärung ansetzen, auch wenn diese ihre Anfänge 1789 unter sehr blutigen Umständen in Frankreich nahm. Von deutscher Seite fügten sich jedenfalls zu dieser neuen Idee der geistigen und individuellen Freiheit Denker wie Emmanuel Kant mit seiner Kritik der reinen Vernunft. Denker, Wissenschaftler und Künstler wie er  nahmen den neuen Gedanken auf und trugen ihn weiter, kummulierten den Wert. Natürlich sprachen sie selbst von ihrer Lebzeit nicht von der Zeit der Aufklärung, aber sie stellten sich einfach den neuen Herausforderungen.
Eine neue Erzählung von sich selbst als Gesellschaft, nicht als Nation, würde hier an dieser Stellte anknüpfen. Sie könnte bsp. lauten: „Die Deutschen, oder besser gesagt, die deutsche Gesellschaft ist eine Gesellschaft vielgestaltiger Art, die aber für sich gemeinsam hat, offen gegenüber Neuem zu sein. Das Wort zählt mehr als die Faust. Streit wird ausdiskutiert. Statt auf Gewalt setzen wir auf Rechtsstaat und Diskussion, Fairness. Die Meinung des Einzelnen hat Gewicht.
Das halte ich für weitaus positivere Vorgaben als nur zu sagen: „In Deutschland geben wir uns die Hand“, wie Innenminister Demiziere es in seinem Artikel zur Leitkultur schrieb oder auch nur zu sagen „Es reicht doch eigentlich, wenn man sich an das Grundgesetz hält“, wie es gern von Vertretern des Multi-Kulti propagiert wird.
Keine Frage, dass eine neue Erzählung von sich selbst nicht die dunklen Kapitel ausblenden darf. Aber eine ständige Rekurrierung auf der Zeit der Natiionalsozialisten und damit auf den Verbrechen von Hitler, sobald man über „die Deutschen“ spricht, halte ich nicht für zielführend. Ähnliches schlug schon der bekannte Historiker Arnulf Baring auf dem Deutschlandtreffen der Ostpreußen 2014 vor. Er beendete seinen Vortrag mit den Worten „Es lebe Deutschland!“, meinte aber genau damit diesen Minderwertigkeitskomplex ausgelöst durch 12 Jahren schlimmster Geschichte endlich abzulegen. Das es auch schon blutige Kriege vor dem 1. und 2. Weltkrieg gab, dürfte den meisten klar sein. In der Tat waren die Zeiten der Kriege waren länger als die des Friedens in der Vergangenheit in Deutschland, auch das ist wahr.  Daher sollten gerade die jetzt mehr als 60 Jahre weitesgehender Friede in diesem Land mehr Beachtung finden. Auch sie gehören ebenso natürlich zur positiven Erzählung. Den Flüchtlingen aus Syrien wird es weitgehend egal sein, wer Hitler war und was er vor über 70 Jahren in Deutschland angerichtet hat. Für sie zählt das Hier und Jetzt. Also nehmen wir uns selbst als Gesellschaft doch am Besten nicht ständig selbst die Kraft mit diesen Ausflügen ins Dritte Reich, die Kraft zu einem vernünftigen Umgang mit Flüchtlingen auf Augenhöhe. Wo es gerade darauf ankommt, ein klares Bild von sich selbst zu vermitteln, selbstbewusst aufzutreten. Die Identitätskonzepte der meisten Verterter von Multi-Kulti klingen nett und einfach, aber sind letzlich unbrauchbar, weil zu vage. Wem kann man Vorbild sein, wenn man sich selbst kleinmacht, nicht weiß, wo man so recht steht? Wie kann eine Gesellschaft ein positives Bild abgeben, wenn sie selbst unter einem Minderwertigkeitskomplex leidet?

Multi-Kulti als Alptraum – Ja zur Leitkultur

In der Talkshow „Phoenix Runde“ auf Phoenix trat am 9.5. die Philosophin und Autorin Hilal Szegin auf und sprach sich für eine Multi-kulturelle Gesellschaft aus. Es ging um die von Thomas Demiziere angestoßene „Leitkultur-Debatte“. Hilal Szezgin sieht in einer multi-kulturellen Gesellschaft die Chance zu mehr Integration. Den Gedanken einer Leitkultur lehnte sie ab. Multi-Kulti funktioniere, wir müssten als Gesellschaft nur viel mehr mit einander reden, verstehen. Das typische naive Verständnis von Multi-Kulti. 

Phoenix Runde vom 9.5.2017

Was sie hier propagiert, ist aber ein Alptraum von Gesellschaft. Ein Gedankenbeispiel (etwas überzeichnet, damit es deutlich wird): Auf dem Weg nach Hause von der Arbeit, der Uni, sonstwo, in der U-Bahn, im Bus, auf der Straße kommt man ständig mit Menschen unterschiedlichster Herkunft in Konflikt, weil sich immer wieder der eine oder andere auf den kulturellen Schlips getreten fühlt. Die ganze Strecke nach Hause, ja das Leben im öffentlichen Raum an sich, wird zur einzigen Diskussionsrunde und kulturellen Kampfzone, weil immer wieder kulturelle Missverständnisse auftreten, die auch mal mit Gewalt ausgetragen werden. Alles eben, weil eine gemeinsame Leitlinie, fürs Miteinander, also eine Leitkultur fehlt. Sieht so der Multi-Kulti-Traum von Frau Szezgin aus? 

Versuch über die Leitkultur

Ich möchte mich heute diesem Begriff widmen auf meinem Blog. 

Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) hatte zuletzt die Debatte um eine (deutsche) Leitkultur neu entfacht mit seinem 10 Punkte-Plan. Hierin listet er auf, was, wohlgemerkt für ihn, zur Leitkultur gehört und was er universell für jeden, der in Deutschland lebt, verbindlich wissen will. Sein Punkteplan umfasst Umgangsformen wie das morgendliche „Guten Tag“ und dass man sich die „Hände gibt“ zur Begrüßung. An dieser Stelle könnte man sich schon fragen, warum er ausgerechnet 10 Punkte wählt? Warum nicht 11 oder 5? Er ist Mitglied einer christlichen Partei, klar dass er hier an Moses und „Zehn Gebote“ anknüpfen muss. Seine Chefin, Angela Merkel wollte ja in den letzten zwei Jahren auch das „C“ in CDU wieder deutlicher betonen. Dieses Vorhaben beschränkte sich übrigens nicht nur auf die Flüchtlingspolitik, sondern schloss auch das Wiederentdecken von Weihnachtslieder wie „Schneeglöckchen, Weißröckchen“ mit ein. Hierfür erntete sie zumindest auch mal ein paar Lacher auf dem Parteitag im letzten Jahr.

„Guten Tag sagen“, „Handgeben“, das sind für uns  Selbstverständlichkeiten. In den letzten beiden Jahren sind aber Menschen aus Kulturen zu uns gekommen, für die das „Händeschütteln“ nicht selbstverständlich ist, erst recht nicht gegenüber einer Frau. Mögen es WahlkampGebärden sein oder nicht. Diese Dinge erleichtern im Alltag den Umgang miteinander.  Ist es aber wirklich notwendig diese Dinge bis in das „Handgeben“ herunterzuregeln? 
Nein, sicher nicht, das sind Banalitäten. Niemand würde die Integration als gescheitert betrachten, nur anhand dieser Dinge. Dennoch ist es richtig und wichtig eine verbindliche Leitkultur als Richtschnur fürs allgemeine Verhalten einzufordern. Zumal ist es auch nur fair gegen über Zuwanderern aus anderen Ländern, denn sie können es nicht wissen, sie sind anders sozialisiert worden, für sie sind andere Dinge wichtig als für uns.
Auch wenn die Sprache der Schlüssel zu Bildung,, Beruf, Nachbarschaft, Freundschaft und Alltag ist, reicht sie allein nicht aus für eine erfolgreiche Integration. Hinzu kommt die innere Bereitschaft, Gewohnheiten und Sitten hintan zu stellen. Hier muss der Mensch im neuen Lande, abwägen können, welche eigenen Gewohnheiten, welche Sitten er im neuen Land beibehalten kann und welche für den Alltag hinderlich sind. Zu allem gehört wie schon gesagt aber die Bereitschaft, diese Gewohnheiten aufzugeben. Und diese Bereitschaft darf und muss eingefordert werden.

Akkulturation und ihre Grenzen oder warum Multi-Kulti scheitert
Das Modell der Akkulturation, der Übernahme von fremden Kulturgütern, das einer der Grundpfeiler für eine moderne empirische Kulturwissenschaft ist, greift hier nicht. Das Modell der Akkulturation setzt voraus, dass zwei Kulturen miteinander kompatibel sind, dass sie zueinander passen und sich gegenseitig beeinflussen können. Im Zusammenspiel mit der islamischen Welt sind ihr aber enge Grenzen gesetzt. Denn Akkulturation setzt voraus, dass es keine negativen Erfahrungen mit der jeweils anderen Kultur gegeben hat, keine nachhaltigen jedenfallls. 
Der Deutsch-Französische Krieg 1870-71 und die Schrecken des Ersten und Zweiten Weltkriegs hatten selbstverständlich in ihrer Zeit das Bild vom jeweils anderen Deutschen/Franzosen geprägt. Doch vermochten diese Schrecken nicht gänzlich eine Akkulturation, eine Anpassung an die jeweils Kultur unmöglich zu machen. Deutsche schätzen die französische Art zu Leben und schwärmen jedes Mal von Frankreich, Paris, Leon, Mailand, wenn sie von dort aus dem Urlaub zurückkehren. Nicht selten nimmt man sich vor, ein Stück des erlebten anderen Alltags in den eigenen zu übernehmen. Man fängt an, mehr mit Olivenöl zu kochen, Baguettes kommen auf den Tisch, Gerichte aus Frankreich, Italien oder Spanien werden ausprobiert und man versucht das Leben leichter als bisher zu nehmen. Ebenso ist es umgekehrt, wenn Norweger vom deutschen Sauerteigbrot schwärmen und sich bei einem Besuch gleich ein Laib mit nach Hause nehmen. Der Zweite Weltkrieg endete und die Nationen konnten sich erholen, nach und nach mit neuen Generationen wurden aus dem Krieg übergekommene Vorwürfe und Vorurteile abgebaut, ein sich stabilisierende Wirtschaftslage schaffte dafür die Grundlage. 
Doch was ist, wenn Menschen aus einem Kulturkreis kommen, deren Anhänger in der Gegenwart für Terror, Tod, Vertreibung und Grausamkeiten sorgen. In wieweit ist eine Gesellschaft dann zur Aufnahme und Übernahme von Kulturgütern, als zur gegenseitigen Anpassung bereit. Wenig bis gar nicht. Hier versagt das Modell der Akkulturation und wir stellen fest, dass Integration eigentlich nur in Zeiten des Friedens erfolgreich sein kann. Es setzt voraus, dass beide Partner friedlich miteinander umgehen. Gewalttätige Ausbrüche lassen Ressentiments erneut aufflammen, Angst entsteht, Misstrauen wird gesät und die Integration wird unmöglich. Mit anderen Worten: Multi-Kulti muss in Zeiten des Terrors scheitern!
Man kann sich die Zeit nicht aussuchen, in der man geboren ist. Angst vor neuem islamistischem Terror beherrscht Europa. Wenn nicht ständig bei jedem, dann wenigstens in den Nachrichten, und spätestens nach dem nächsten Anschlag sind die Diskussionsrunden wieder gefüllt. Dann sind Themen wie Rente, Arbeitsplatzsicherheit wieder zweitrangig. Dann geht es um das nackte Überleben, um die Angst um das eigene Leben, auch wenn man selbst gar nicht vom Terror-Anschlag betroffen war. 
So ist es doch gerade jetzt wichtig, Regeln für das Zusammenleben in dieser Gesellschaft aufzustellen. Noch wichtiger ist es, die Einhaltung dieser Regeln auch einzufordern.  Den Besuch von Deutschkursen für Migranten verbindlich zu machen und eine Migration auch sozialverträglich zu gestalten. Gerade weil das Zusammenleben von Hass und Angst gefährdet ist. Deshalb nützt es auch wenig weiterhin für Toleranz, Vernunft und Nächstenliebe zu werben. 
Keine Angst vor Intoleranz
Je höher die Migration ist, desto intoleranter muss sich eine Politik zeigen, damit sie die Menschen im eigenen Land nicht überfordert. Eine Politik darf keine Angst haben, an richtiger Stelle intolerant zu sein.
Das bedeutet in der Konsequenz neben den schlauen Thesen von Herrn de Maiziere vorallem eine Begrenzung der Zuwanderung, eine Obergrenze für Flüchtlinge. Es bedeutet auch ein Umdenken in der Migrationspolitik. Die Zustände vor Ort in den Lagern müssten wieder auf einen humanen Zustand gebracht werden. Migration darf nicht länger mit Flucht verwechselt werden.  Nur Fachkräfte, Studenten, Jugendliche, die schon über über Internet hier sich bereits erfolgreich für einen Arbeitsplatz, Studium, Ausbildung beworben haben, dürfen einreisen und einen dauerhaftes Bleiberecht bekommen. 
Statt Zelten müssten Wohnsiedlungen, kleine Städte mit Infrastruktur gebaut werden. Doch mit wem will man die Städte aufbauen, wenn alle weg im Ausland, in Deutschland, Schweden, Österreich sind. Selbstverständlich müssten auch die Länder an den EU-Außengrenzen wieder wirtschaftlich gestärkt werden, damit sie auf etwaigen Ansturm von Flüchtlingen vorbereitet sind.

Buuh! Ich bin der böse Klimawandel!

Tagesschau 24 setzt in Sachen Klimawandel jetzt mit persönlichen Horrorgeschichten nach. Interviewt wurde dazu eine Betroffene eines Tornados in Deutschland in den vergangenen Jahren und ihren ganz persönlichen Erfahrungen damit. Dramatisch schildert sie den Hergang der Ereignisse. Sie habe nichts böses geahnt, es hätte kleine Warnungen gegeben, sie hätte ihre Gartenstühle vorsichtshalber zusammengeräumt, aber ansonsten nichts. Ahnungslos sei sie auf eine Geburtstagsfeier gegangen. Plötzlich kam der Tornado doch noch, und dann „dieser laute Knall“. Der Knall wäre für sie ein Indiz gewesen, dass es da nicht mit rechten Dingen zuginge, das es kein normaler Sturm gewesen könne. Dramatisch! Unterschwellig natürlich hier die Botschaft immer dabei: Klimawandel! Erdwärmung! CO2!

Die Folgen für die Betroffenen: abgedeckte Dächer, zerstörte Autos. Dramatisch! Sicher, aber ungewöhnlich?
Was war mit der Flutkatastrophe von 1962 in Hamburg? Nicht ausgelöst durch einen Tornado, aber ebenso dramatisch und zudem mit Todesopfern verbunden.
Ohne es selbst zu merken, hebt die Sendung die Dramatisierung im nächsten Schritt gleich wieder auf. In einem Archiv zeigt ein Wetterforscher Berichte über Tornados in Deutschland von vor mehr als zwei Jahrhunderten? Also, alles so neu? 
Merkwürdig ist auch, dass die Berichte in eine Zeit fallen, in denen die Industrielle Revolution erst begann. Das Auto als Co2-Emmitent gab es auch noch nicht. Die Sendung geht mit Berichten über Tornados und Zeugenaussagen munter weiter, immer wieder unterlegt mit Aussagen von Wissenschaftlern, die immer wieder bestätigen, wie schwer diese Ereignisse voraussagen können.
Was war also der Zweck der ganzen Sendung?  Wohl nur die reine Erinnerung an das böse Gespenst des „Klimawandels“ und des bösen „Co2“, das ja bisher auch noch keiner so richtig gesehen hat. Aber das haben Gespenster ja nun mal so an sich!
Buuuuuh!

„Was tun wir diesen Leuten an?“

„Was tun wir diesen Leuten an, um uns selbst zu beweisen, dass wir die Guten sind?“ Dieser Satz stammt vom bekannten Publizisten und Kritiker der deutschen Flüchtlingspolitik Henryk M. Broder. Bis zu einem Beitrag in der ARD am Sonntag habe eigentlich ich nicht genau verstanden, was er damit meint. Jetzt schon. Der Beitrag zeigte eine Theatergruppe, die Flüchtlingen versucht zu helfen, mit Bastelarbeiten und Reden. Eine Gruppe Flüchtlinge aus Syrien, augenscheinlich über 20, sitzen an einem Tisch und zeichnen und schneiden unter Anleitung kleine Häuser aus Papier aus, dann kleben sie sie zu einer schönen Stadt zusammen. So soll Syrien mal aussehen, wenn dort wieder Friede ist. Der Leiter des Projekts befragt sie nach ihren Erinnerungen, Wünschen, Träumen und hört sich „mitfühlend“ deren Geschichten an. Kann das helfen? Wohl kaum. Es zeigt, wie ein Land sich selbst überfordert. Da bisher nur wenige Flüchtlinge bereits einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz gefunden haben, muss der Großteil irgendwie beschäftigt werden, damit sie den Mut nicht verlieren, nicht anfällig für Radikalisierung werden.

Das Paradies?
Häuserlein aus Papier ausschneiden, Bastelarbeiten wie im Kindergarten und jeden Tag von Neuem nach ihren Kriegserfahrungen befragt zu werden. Haben sich die Flüchtlinge so ihren Alltag im neuen Land vorgestellt? Wir reden hier immerhin über Erwachsene.  Sie kamen mit der Hoffnung auf Sicherheit, Arbeitsplätze, Ausbildung und ein gutes Leben. Stattdessen erwartet sie ein Leben als Dauerpatient, betreuungsbedürftig, verhätschelt, ausgebremst – ohne Aussicht auf Entlassung. Dazu kommt die ständige Begleitung durch ARD und ZDF, die offenbar immer noch versucht, das Ganze als Erfolgsgeschichte darzustellen. Die Off-Sprecherin fragt: „Wie sieht das Paradies aus?“ Ich weiß es nicht, aber so?

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