Andreas Stadler

Freier Lektor und Autor

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Chaos G20 als trojanisches Pferd – Details übersehen?

Zu den Krawallen am vergangenen Freitag, Samstag und Sonntag ist schon so gut wie alles geschrieben worden – und alles hört sich irgendwie gleich an. Ist vielleicht etwas übersehen worden? 

Als ich mir am frühen Samstag Abend selbst ein Bild von der Lage im Schanzenviertel machte, fielen mir ein paar Details auf, die in den Berichten untergingen. 
Viele, oder die meisten Ladenbesitzer im Schulterblatt und Umgebung hatten ihre Fenster mit einem kleinen Schild versehen: „NO G20, spare our shop“, war dort immer wieder zu lesen.
Anders als die Fernsehbilder es vielleicht vermittelten, war bei Weitem nicht jedes Geschäft von eingeschlagenen Scheiben betroffen.
Ist es vorstellbar,, dass die Randalierer vielleicht nur diejenigen Geschäfte demolierten, die kein solches Pappschild vorsorglich hatten? 
Wenn ja, war die blinde Zerstörungswut gar nicht so blind, sondern absolut zielgerichtet. Die Frage ist dann, warum sich Geschäfte wie IKEA und Budnikowski dem nicht angschlossen haben?
G20 – Merkels trojanisches Pferd an Scholz?
Die Rücktrittsforderungen gegen Oberbürgermeister Olaf Scholz kommen hauptsächlich von der Opposition in Hamburg, der CDU. Seltsam dass aber genau Wunsch nach einem Gifpeltreffen in Hamburg genau von dieser Opposition kam, und zwar von der Chefin persönlich, Angela Merkel.
Hier drängt sich eine kleine Verschwörungstheorie auf: 
Ist es vorstellbar, dass Angela Merkel genau wusste, dass es zu solchen Schwierigkeiten kommen würde? Dass nicht alles so glatt ablaufen würde, wie geplant? Hatte Angela Merkel also Scholz Imageschaden kaltschnäuzig einkalkuliert, als sie ihn im letzten Jahr um die Ausrichtung des G20 bat? Ihm quasi ein „trojanisches Pferd“ verkaufte? Wenn ja, hatte sie ein Motiv? Ja.
Immerhin war Scholz bis zum Auftreten von Martin Schulz heiß gehandelter Kandidat gegen Frau Merkel. Zum Zeitpunkt der Absprache war recht klar, dass Sigmar Gabriel nicht Kanzlerkandidat werden würde, Martin Schulz war noch nicht auf der Bühne und Scholz freute sich großer Beliebtheit in der SPD. Er gilt als ruhig und besonnen. Mehrfach kursierten Gerüchte, er würde gegen Merkel antreten. 
Wer sich die Bilder von vorherigen G20-Gipfeln in Torronto ansieht, hätte wissen können, dass so weit kommen würde, wie es kam. 
Dass zwischendurch die SPD Sigmar Gabriel gegen Martin Schulz austauscht, konnte sie nicht ahnen. Aber da waren die Verträge schon unterzeichnet, die Planungen für G20 in Hamburg schon im Gange, und vielleicht hat sie Martin Schulz auch nicht als echte Bedrohung für sich gesehen. Ihr Ziel war ihr großer Gegner, Olaf Scholz, der jetzt in der Hamburger Bürgerschaft Rede und Antwort zum Ausmaß der Gewalt stehen muss. 
War es so? 

Die neue Ehe von damals

Nun gibt es sie: Die Ehe für alle, nun auch in Deutschland. Ja, die Ehe für alle kann helfen durch die begriffliche Gleichstellung, Diskriminierungen gegenüber Schwulen und Lesben im Vorfelde abzubauen. Auch wenn Anfeidungen, Spott und Hähme nicht ganz verschwinden werden, so können nun  gleichgeschlechtliche Partnerschaften und überhaupt gleichgeschlechtliche Sexualität als normaler empfunden. Sie haben nicht länger den Sonderstatus.  

Allerdings kommt die Ehe für alle  eigentlich zu spät, in eine Zeit, in der die „Ehe“ sowieso an Bedeutung verloren hat. Wer betreibt außer bibeltreuen evangelikalen Christen schon noch die Enthaltsamkeit vor der Eheschließung. Wirklich, tatsächlich, und nicht nur im Versprechen bei der ersten Vorstellung des zukünftigen Bräutigams vor den streng-katholischen Schwiegereltern in spe. So wechseln Hetero-Ehe und Homo-Ehe also die Plätze. Was die einen schon mehr und mehr aufgeben, es als abgetragen im Kleiderschrank hängen lassen, entdecken die anderen nun plötzlich für sich neu als das pure Glück. Ein Second-Hand-Laden der Traditionen. Aber so war es schon immer mit neuen Trends.  Irgendeiner gräbt was Altes aus und verkauft es als brandneu.
Und auch um die Politik an dieser Stelle nicht ganz zu vergessen. Die SPD feiert sich im Moment selbst für ihren gelungenen Coup. Ja, das war ein starkes Stück und es ist verdient. Aber: im Kontrast zu meiner eigener Partei, der SPD: Es wäre besser gewesen die Ehe für alle aus der Bevölkerung her entscheiden zu lassen. Ein Volksentscheid, so wie auch in anderen europäischen Ländern über dieses Thema abgestimmt wurde. So hätte man auch die heterosexuelle Mehrheit in diesem Lande mitnehmen können. Doch so wirkt es, als wäre mal wieder von oben herab abgestimmt.  Zum Teil von Abgeordneten, die selbst davon betroffen sind. Wasser auf die Mühlen von rechtsnationalen Parteien. Mal wieder aus Berlin, mal wieder von oben.  

Ehe für alle – Wahnsinn!

„Sind alle jetzt narrisch worden?“, würde sich der typische Bayer fragen. Da plaudert Angela Merkel auf eine Veranstaltung kurz über ihre eigene Meinung zum Thema Ehe unter Gleichgeschlechtlichen und schwupps, binnen Tagen haben wir eine „historische“ Abstimmung darüber im Deutschen Bundestag.

Wie historisch ist diese Abstimmung? Wie historisch ist das Ergebnis überhaupt? Und vor allem wie weitreichend ist das Ergebnis? Brauchen wir die Ehe für alle wirklich? Wäre das gleiche Ergebnis nicht auch auf anderem Wege möglich gewesen?
Ja, es stimmt.  Schwule und Lesben waren und sind immer noch gesellschaftlichen  Diskreminierungen ausgesetzt. So ganz anerkannt ist es doch noch nicht. Es macht immer noch einen Unterschied, ob sich ein Mann und eine Frau auf der Straße küssen, oder zwei Männer, zwei Frauen. 
Ziel der Ehe für alle ist es nach dem Antrag im Bundestag, Diskriminierungen von gleichgeschlechtlichen Paaren abzubauen.  
Gleichgeschlechtlichen Paaren ist bis heute die Ehe verwehrt, was eine konkrete
und symbolische Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identi-
tät darstellt“, (Deutscher Bundestag Drucksache 18/8, 18. Wahlperiode, 23.10.2013)
Hier und da wird man immer noch die einen oder anderen älteren oder auch jüngeren Leute finde, die das „wider die Natur“ finden. Das ist nicht schön, aber die Wirklichkeit. Muss man sich also mit einer Ehe für alle wirklich diesen Leuten anbiedern? Bei diesen Leuten hat sich die Ehe zwischen Mann und Frau als einzig möglicher Verbindung so tief eingegraben, das man es auch durch die „Ehe für alle“ nicht ändern. Ist es überhaupt nötig, deren Vorurteile zu ändern, sie zu überzeugen? Ich meine, nein. Das ist eben der Meinungspluralismus. Diese Leuten hatten sich schon an die „eingetragene Lebenspartnerschaft“ gewöhnen müssen, ein Konkurrenzprodukt zur klassischen Ehe aus ihrer Sicht. Nun wird ihnen auch das Letzte noch genommen. Erreichen wir so nicht genau das Gegenteil? Einen neuen Grund für neuen Hass. 
Davon abgesehen, wäre es nicht sinnvoller gewesen, es über einen Volksentscheid zu lösen? Dann hätte man die wissen können, wie die Bevölkerung darüber befindet, nicht nur die Abgeordneten aus Berlin, die auch wie der Grünen-Abgeordnete Volker Beck ganz persönliche Ziele mit der Abstimmung verfolgt. Ein Volksentscheid hätte es verhindert, neue Ressentiments zu schüren. Gegen Lesben und Schwule, gegen die Politiker aus Berlin. So wird es sicher bald wieder von reaktionärer und rechtsradikaler Seite heißen: „Mal wieder die da oben, in Berlin. Wir werden gar nicht mehr gefragt. Widerstand!“
Ehe für alle – Spießigkeit für alle?
War es nicht immer das erklärte Ziel von uns Homosexuellen, anders zu sein? Wollten wir nicht gerade für dieses „Anderssein“ Akzeptanz? War nicht „Andersrum ist richtig rum“ eines der Mottos des CSDs in der Vergangenheit? Warum ist es uns plötzlich so wichtig, wie die Mehrheitsgesellschaft zu leben, unter den gleichen Labeln, mit den gleichen Ritualen unsere Zusammengehörigkeit zu besiegeln? Hatten wir nicht schon alles erreicht mit der „eingetragenen Lebenspartnerschaft“. War dieser letzte Schritt wirklich nötig? Und vor allem , warum ist es uns als Lesben und Schwule plötzlich so wichtig, auch Kinder haben zu dürfen. Kann das Zusammenleben nicht auch ohne Kinder glücklich sein? 
Was jetzt noch zur perfekten Spießigkeit fehlt ist der Wohnwagen auf dem Campingplatz, das Vorzelt, das Stiefmütterchen-Beet und die Gartenzwerge. Dann sind wir tatsächlich alle homo , homo spiesiensis, gleich spießig.

Schöner schwanger.

Schöner schwanger

Liebe Leser,

heute bin ich beim Spaziergang mal wieder über eine deutsche „Sprachperle“ gestolpert. (Keine Sorge, ich habe mir nichts getan:))
Dieser schöne Schriftzug schmückte ein Bekleidungsgeschäft in Norden Deutschlands.
Kann man auch weniger schön schwanger sein? Kann man auch hässlich schwanger sein? Muss man überhaupt schön sein, wenn man schwanger ist?

Hat er Brunnen gesagt oder nicht?

In den letzten Wochen gab es eine hitzige Diskussion über eine Dokumentation über Anti-Semitismus im Nahen Osten, aber auch in Europa und Deutschland. Eine in Auftrag gegebene Dokumentation sollte plötzlich nicht gesendet werden. Der auftraggebene Sender ARTe verweigerte die Annahme des Endprodukts. Der WDR sendete a 21.6 dann doch den Film, allerdings mit eingeblendeten Anmerkungen. Am Donnerstag gab es eine Disksussionsrunde darüber im Rahmen des Grimme-Preises. 

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/video-umstrittene-tv-doku—diskussion-ueber-antisemitismus-100.html

Über die Kommentare vom WDR zur Sendung wunderte ich mich schon sehr, hätte aber nie gedacht, dass das tatsächlich Gegenstand der Runde wird. Docheiner der Teilnehmer hatte sich die Mühe gemacht und die WDR-Kommentare zu checken und brachte eine Liste mit in die Runde. Tatsächlich wurde darüber diskutiert, ob der Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas sich eindeutig antisemitisch äußerte und tatsächlich von Brunnenvergiftung sprach, sich einem uralten Mythos und Vorurteil bediente. Jörg Schönenborn warf ein, Abbas hätte ja gar nicht „Brunnen“ gesagt und meinte wirklich damit einen Punkt zu machen. Ist es nicht unerheblich, ob jemand tatsächlich das Wort Brunnen nennt, wenn er behauptet, die Israelis hätten das Wasser vergiftet – ebenso wie im uralten Mythos? Ist es tatsächlich erst dann antisemitisch, wenn er „Brunnen“ und „Vergiftung“ in einem Satz sagt?
Eine Frage stellt sich hier: Wie viel Sinn machen Diskussionsrunden im Fernsehen tatsächlich?

Die Infantilen

Eine Rampe auf der Kieler Woche, wo sich todesmutige Menschen auf Fahrrädern und Surfbrettern ins Wasser stürzen, beklatscht von einer Menge; eine Masse Menschen in einer Kneipe, die plötzlich zum Hit „I’m a Barbie-Girl“ auf den Tischen tanzen, sich rekeln, sich über die Haare streichen, und ein Hamburger mit süßer Tomatensoße. Was haben diese drei Dinge miteinander zu tun? Nun, sehr viel: Es handelt sich um eine Infantilisierung der Gesellschaft, des Geschmacks, kulturell, musikalisch oder kulinarisch. 

Je verunsicherter eine Gesellschaft desto sinnloser sind die Spiele, die Musik und das Essen. Die berühmte amerikanische Fast-Food-Kette mit dem großen M betreibt schon seit ihrer Entstehung eine verkindlichung des Geschmacks durch den Einsatz von sehr viel Zucker und Verfälschung des Burger-Konzeptes. Wer in einem Diner mal einen Hamburger bestellt, wird sich wundern, wie groß, wie anders eigentlich ein Hamburger ist und schmeckt – und wie weit er von dem entfernt ist, was die FastFood-Kette anbietet. Es wird einem auch bewusst, um wieviel Geld, Zutaten und Geschmack man eigentlich geprellt wurde. Denn oft bekommt man einen guten Hamburger zum gleichen Preis wie einen schlechten Hamburger aus der Fast-Food-Kette. Das Brötchen ist bissfesst, frisch, das Fleisch ist saftig und es gab dazu Zwiebeln und Pommes – nur die nervige süße Tomatensoße fehlt. Und man merkt, wozu sie eigentlich da war. Um die miserable Qualität des Fast-Food-Produktes zu überdecken. Doch das Bild vom süßen Hamburger oder Cheeseburger mit dem wabbeligen „Brötchen“ hat sich irgenwie eingebrannt.  Den speziellen süßen Ketchup gibt es längst im Supermarkt zu kaufen. Nur so ist zu verstehen, warum die Fast-Food-Kette mit dem großen M trotz Konkurrenz von sehr viel besseren Dinern, Dönerläden immer noch regen Zulauf hat. Kinder wollen es so: es ist billig und es ist süß!
Der Hit „Barbie-Girl“ versetzt urplötzlich junge Menschen in  ihr Kindesalter zurück, Frauen und Männer, wo sie noch mit Puppen spielten, wo sie noch unschuldig waren. Die Aussage des Songs ist rein sexuell und gleich null: „You can brush my hair and (un)dress me everywhere“. Barbie bietet sich an, Ken antwortet: „Let’s go party.“ „Aa, aa, aa, yeah.“ Dass der Song trotzdem auf jeder Party wunder wirkt hat eben mit jener Infantilisierung zu tun. Das erstreitet man erst hart jedes Quäntchen Gleichberechtigung, kämpft gegen Sexismus und wirft alles in null komma nix wieder über Board, sobald dieser Song erklingt. Eigentlich sollten die Kämpfer und Kämpferinnen gegen Sexismus den DJ ausbuhen. 
Dass dieselben Leute auch noch Menschen beklatschen, die sich von einer Rampe auf einem rollenden Surfbrett ins Wasser folgt dem selben Muster. Welchen Sinn verfolgt dieses Spiel? Veranstalter des Ganzen ist eine bekannte Software-Firma. Jedes Mal wenn ein neuer Mutiger an den Start geht, gibt es hohe Flammen und ein paar Raketen werden schießen in den Nachthimmel. Dann rast der Todesmutige die lange Rampe hinunter und…fällt in Wasser. Manchmal gelingt noch ein  hübscher Salto bevor Fahrer und Gefährt aufklatschen. Ziel des Spiels? Vielleicht ein kostenloses Update? Die neueste Version von MS Office? Windows 11? 
Ein Update hätte die Gesellschaft dringend nötig! Sie hat sich in einer Spirale des Infantilismus verfangen und scheint nur noch um ihre verlorene Kindheit zu kreisen: kulturell, musikalisch und geschmacklich!

Besser klein als nie

Heute hat in Köln eine Demonstration unter dem Motto #Nichtmituns gegen islamistischen Terrorismus stattgefunden, organisiert von ein paar wenigen islamischen Verbänden und medienwirksamen Personen wie der muslimischen Religionslehrerin Lamya Kadddor. Unterstützt wurde die rund 2000 Mann starke Demo auch von Parteien wie SPD, Linken, Grünen. Das ist für eine Demo gegen Terror nicht gerade viel, verglichen mit der Größe der berühmten Lichterketten gegen Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt – und ich halte es auch für einen absoluten Fehler, dass sich sofort politische Parteien in Deutschland zur Hilfe eilend anschließen, dadurch werden die Muslime aus der Selbstverantwortung genommen, ganz so als könnten sie eine solche Demo nicht auch alleine hinbekommen – doch wenigstens war es ein Anfang. Bei der nächsten Demonstration gegen islamistischen Terror dürften sich gern mehr Muslime beteiligen, vor allem diejenigen muslimischen Verbände, die dieses Mal wie DITIB durch Abwesenheit und Absage glänzten. Aber bitte ohne Beteiligung aus der deutschen Parteienlandschaft – das müssen, das können die Muslime schon ganz allein machen – wenn man sie nur lässt.

Wie am Heiligen Abend vorm Tannenbaum: Katja Kipping hält eine Rede.

Da ich parteilich noch weitgehend unabhänging bin, kann ich mir ein kleines Bashing selbst doch erlauben. Da dies eine Subdomain eines Lektorats-Dienstes ist soll es heute auch ein bisschen literarisch werden.

Ich habe den Parteitag der Partei die Linke etwas mitverfolgt. Bei der Rede von Katja Kipping ist mir etwas aufgefallen. Vielleicht geht es Ihnen lieber Leser genauso. 
Es mag an ihrer Stimme liegen oder an ihrer Körperhaltung. Katja Kipping, Spitzenkandidatin der Linken für den Bundestag, steht vor der roten Wand mit den Lettern „Die Linke“, kerzengerade, schön zurecht gemacht und hält ihre Rede. Wie ein kleines Mädchen, angespannt vorm Tannenbaum am Heiligen Abend stehend, den Blick auf die Eltern gerichtet, die Gedanken teils bei der Rede, teil schon beim Pony, das sie sich schon so lange wünscht. Natürlich ein echtes, keines aus Plastik!: „Lieber, guter Weihnachtsmann, schau mich nicht so böse an…“ Diesmal fehlte nur der Tannenbaum, und natürlich das Pony. 
Die Umfragewerte der Linken liegen derzeit nicht sehr gut. Aktuell teilen Sie sich ungefähr einen Platz mit den Grünen, liegen aber unter der AFD und FDP.
Sonntagsumfrage Infratest-Dimap (Stand: 10.06.2017)
Linke Positionen scheinen sich trotz der großen Tannbaumreden von Frau Kipping wenig gefragt zu sein oder zu verfangen bei Wählern und Hörern, und zwar schon über Jahre hinweg. Vielleicht daher auch der Ton eines Gedichtes. Vielleicht war es also ein Stoßgebet oder eine Bitte an eine höhere Macht, die den Linken doch endlich zu besseren Ergebnissen und damit die Chance auf Regierungsmitarbeit, also zum langersehnten Pony, verhelfen. 
Ja, diese Partei ist in ihren Wünschen klar. Zwar meist realitätsfern und triefend vor Ideologie wie ein gefüllter Honigtopf, aber klar! Man kann eben auch unrealistische Dinge mit Überzeugung sagen. „Es gibt den Weihnachtsmann, es gibt den Osterhasen, und die rosa Welt mit bunten Blumen, wo sich alle lieb haben, Sie müssen uns nur wählen“, so oder so ähnlich könnte das Kochrezept für die Reden dieser Partei aussehen. Und ja, diese Partei hat auch manch guten Punkt, z.B. bei ihrer Absage zu weiteren Waffenverkäufen an Saudi-Arabien und dem Nein zu weiteren militärischen Aktionen im Nahen Osten oder dem Werben um ein gutes Verhältnis mit Russland.  Aber diese Durchtränktheit mit Ideologie, dieser Glaube an eine heile Welt lässt meinen Stift bei der Wahl dann doch woanders hinwandern. 

SPD, Mut, Mut, Mut

Die SPD ist derzeit sicher nicht in der besten Verfassung. Zwei verlorene Wahlen hintereiander haben die der Partei gezeigt, Schulz alleine reicht nicht. Es reicht nicht, alleine nur einen beliebten Kandidaten auf allen Bühnen auftreten zu lassen. Es muss mehr getan werden. Es ist richtig, zu Fehlern aus der Vergangenheit zu stehen, doch alleine dies reicht ebenfalls nicht. Schulz muss jetzt vor allem begründen, warum er besser als Angela Merkel geeignet ist. Wie er seine Reformvorschläge bei HARTZ IV und Rentenkonzepten finanzieren will. Steigen die Beiträge doch? Wieweit wird man auf den Faktor Migration setzen? Wieviel Migration ist sozial verträglich? 

Nur wenn er diese Fragen sicher beantworten kann, wird er eine reelle Chance gegen Angela Merkel haben. Dafür braucht es weder Bashing gegen andere Parteien, noch große Auftritte, sondern vor allem Mut!

Bildquelle: TAZ

Geplante G20 – Demo: „Alles ist besoffen und tanzt“?

Der G20 Gipfel, das größte internationale Treffen der größten Wirtschaftsnationen der Welt startet am 6./7. und 8. Juli in Hamburg. Angekündigt haben sich natürlich auch die Protestler. Junge Leute, von 16-99, Schüler, Studenten, Rentner Alte, Junge, alles wird auf den Beinen sein in Hamburg, das zumindest haben sich die Veranstalter vorgenommen. Sie wollen omnipräsent in der Metropole sein. Jetzt erst recht, nachdem die Polizei ihnen offenbar einen Strich durch die Rechnung bei der Planung ihrer Demonstrationsroute gemacht hat. Diese wird laut Veranstalter nun nicht mehr direkt vor dem Messegelände möglich sein, sondern weiter ab. 

Wenn man sich die geplanten Aktionen in diesem Video so anhört, kann man den Eindruck gewinnen, dass gerade durch diese Aktionen mehr Chaos verursacht wird als es eh schon in der Stadt gibt. Die Veranstalter sprechen davon, dass sie den Verkehr um das Messegelände lahmlegen wollen, den Journalisten soll der Zugang zum Messegelände erschwert werden. Warum nun gerade den Journalisten, die nur ihre Arbeit machen, eigentlich ein neutrales Bild des Gipfels abgeben wollen, bleibt ein Rätsel. Weitere Aktionen am Hafen sind geplant. Dort wollen die Aktionisten dann dafür sorgen, dass der CO2-Ausstoß dort reduziert wird,  Das mutet phantastisch im Sinne von Science-Fiction an. Soll der Schiffsverkehr am Hafen lahmgelegt werden?
Und warum muss am Ende eigentlich immer getanzt werden? 
Zum Abschluss der Demo sind gemeinsame Tanzaktionen gegen G20 auf den Straßen geplant. Eine Rave-Party. Da drängt sich bei mir der Gedanke auf: Ja, und warum jetzt? Nehmen die Protestler sich wirklich selbst ernst? Was soll das bewirken? Ein Tanz auf den Straßen. Das sieht vielleicht lustig und nett aus, aber was soll das bringen?l Schlimmer noch: Zieht sich damit die ganze Bewegung nicht selbst ins Lächerliche? Bei allem Verständnis für den Protest der Leute, kann man sie bei diesen ganzen Aussagen noch ernst nehmen? 
Ich erinnere mich an meinen Onkel, der von meiner Generation einmal sagte: „Alles ist besoffen und tanzt“. Anscheinend war seine Einschätzung nicht so falsch. Überspitzt möchte ich hier sagen: „Reiche Kinder mit viel Freizeit!“ 
Vor allem aber erstaunt, wogegen meine Generation hier demonstriert. Verglichen mit der Situaton junger Leute in Ländern wie China, Nordkorea, Afghanistan, Spanien oder Syrien geht es ihnen hier wirtschaftlich sehr gut. Proteste sind doch meist Aktionen, die auf den eigenen Notstand aufmerksam machen sollen.  Sie ist ein Druckmittel gegen Regierende, diese eigene Situation zu ändern. Der Klimawandel ist vielleicht bedenklich, hat hier zulande aber noch nicht zu einem Niedergang der Wirtschaft geführt. Wogegen also demonstriert meine Generation bei G20? Sind es womöglich „Rebels without a cause“?

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