Andreas Stadler

Freier Lektor und Autor

Autor: andreasstadler (Seite 1 von 4)

Klimaschutz, aber richtig! Mit Schrebergärten.

Gerade las ich einen Artikel auf Achse des Guten.com über Klimawandel. Das erinnerte mich an ein kurzes Gespräch, das im Sommersemester 2017 mit meiner Dozentin für Geobotanik, Frau Dr. Erfmeier von der Christian-Albrechts-Universität hatte. Es ging um den Klimawandel und um mögliche Maßnahmen dagegen. 

Da ich grundsätzlich skeptisch dem Thema menschengemachter Klimawandel gegenüberstehe, hatte mich interessiert, wie sie dazu steht. In der Vorlesung hatte sie davon erzählt, dass Pflanzen Co2 speichern. Nicht nur das Fahren mit dem Auto, oder Verbrennen von Holz, sondern auch schon das Abholzen von Wäldern emmitiert Co2 in die Atmosphäre. 
Nach der Vorlesung hakte ich hier nach. Frau Erfmeier sah das mit dem geplanten Zwei-Grad-Ziel ähnlich wie ich. Es wird nicht erreicht werden. Zuviele Hürden, zuviele Mitspieler. Na, wenn sogar sie das schon sagt?
Ein Spiel kann man nur gewinnen, wenn alle Spieler nach den selben Regeln spielen. Tun sie aber nicht. Für mich ist es etwas, was sich schön anhört, ein Wert, mit dem der Bürger was anfangen kann, worunter er sich etwas vorstellen kann. Zwei Grad, zwei Tassen Kaffee, zwei Euro, zwei Zitronen. Realistisch ist es dennoch nicht. 
Mein Resümee: Wenn man schon so ein kleines Ziel nicht erreichen kann. dann doch wenigstens das eine. Eine Wiederaufforstung. Einfach Pflanzen pflanzen. Denkbar einfach. Große Hilfe kommt vielleicht auch ganz unverhofft von etwas sehr altem, was als spießig gilt: Der treue kleine Schrebergarten, er ist Heimat für Bienenvölker, alte Apfelsorten, Bienenweiden, Mischkultur (ganz besonders der ungepflegte Schrebergarten!)
Wenn man den Schrebergarten stärker als bisher fördert, oder überhaupt fördert, erreicht man für die Bürger und die Umwelt viel mehr als jede Klimakonferenz. Es lebe also der Schrebergarten. Heiligtum und Rückzungsraum des Kleinbürgers! 
Die Bundesgartenausstellung in Hamburg war absolut kontraproduktiv (Mist). Sie hat in Wilhelmsburg alte Gärten vernichtet, nur um wieder neue Schaugärten daraus zu machen. Das Konzept dahinter habe ich nie verstanden. Das ist keine Gartenausstellung, sondern Gartengentrifizierung. Nein, es muss das Original sein: Der Schrebergarten. 
Auf in den Garten!! Fürs Klima.

Trinkflasche auf Autobahnbrücke. Es kann nicht wahr sein!

Liebe Mitstudenten und andere Leute, 

es kann nicht wahr sein, was ich gestern auf dem Campus entdeckte. Eine leere Trinkflasche, abgestellt auf dem Geländer der Autobahnbrücke, die die beiden Teile des Kieler Campus miteinander verbindet. Wie Gedankenlos kann man sein????!!!
Es genügt ein kleiner Windstoß und die Flasche fliegt auf die Autobahn darunter, gerät auf die Fahrbahn, schlägt an die Windschutzscheibe, Fahrer steigen in die Eisen und wir haben in Kiel eine große Massenkarambolage, Verletzte, vielleicht auch Tote. Schleudertrauma, Querschnittslähmung oder Tod. Lebensträume und Familien zerstört, nur weil irgendein/e Vollhonk/in, dem/der den Papierkorb nicht fand oder finden wollte.
Natürlich habe ich mir die Flasche sofort geschnappt und aus der Gefahrenzone gebracht. Ich appeliere an das Gewissen eines Jeden, nicht das Geländer der Autobahnbrücke für seinen Müll zu benutzen und solche Gegenstände  zu entfernen, sollte man sie sehen Unfälle und Leid kann man vermeiden, es geht so leicht! Es könnte eben auch einen selbs betreffen.
Appelierende Grüße
Andreas Stadler

Wenn das Leben ein James-Bond-Film wäre…..

Als Autor von Theaterstücken, Student und Bond-Fan habe ich mir öfter eine Frage gestellt. Wenn das Leben ein Bondfilm wäre, in welchem würden wir zu Zeit leben? 

Meine Wahl dabei fällt eindeutig auf „Der Morgen stirbt nie (Tomorrow Never Dies)“. In diesem Film kämpft 007 (Pierce Brosnan) gegen den Medienmogul Elliot Carver (Jonathan Price), der Profitmaximierung mit Fake-News betreibt und nicht davor zurückschreckt, einen dritten Weltkrieg heraufzubeschwören. 
Die Medien übernehmen die Macht der Politik, versorgen die Politik mit Bildern und lenken Entscheidungen und die öffentliche Meinung in die gewünschte Richtung. Nichts anderes passiert, wenn von Fake-News die Rede ist. Und wer die eigentlichen Fake-News verbreitet ist nicht mehr klar. Jede Debatte ist manipulierbar. Twitter und Facebook beschleunigen diesen Effekt nur um den Faktor 1000.
Trump kann mit einem einzigen Tweet eine Weltsichereitslage ins Wanken bringen, zumindest kommt es dem Zuschauer so vor. Das soziale Netzwerk verdrängt die gute alte Zeitung. Und auch die Zeitung selbst folgt diesem Trend, die Artikel werden kürzer, flüchtiger, die Bilder größer, die Erklärungen kleiner und die puren Behauptungen mehr.
Ironischerweise lautete der Arbeitstitel des Film „Tomorrow Never Lies“ (Der Morgen lügt nie).  Der Morgen, das ist der Name des auflagenstärksten Medienmagazins des Medienmoguls Elliot Carver (Jonathan Price) Die doppelte Ironie: Ein Tippfehler im Titel auf einem Fax des Drehbuchautoren an den Produzenten änderte damals den Titel in „Tomorrow Never Dies“. 
„Der Morgen stirbt nie“ (Tomorrow Never Dies) von 1997. Für mich als Bondfan definitiv der aktuellste Bondfilm. Er wirkt wie eine Prophezeihung für 2017. Nur fehlt uns ein 007, der die Dinge für uns wieder ins Lot bringt und die Trennlinie zwischen Fake-News und Realität findet und den Bösewicht bestraft.

Denn sie können es nicht lassen….

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten liegt jetzt fast ein Jahr zurück. Seine Tweets schrecken inzwischen auch keinen mehr so richtig. Man hat sich daran gewöhnt. Auch sollte man längst zur Einsicht gelangt sein, dass dies ein Präsident für die USA ist, nicht für die übrige Welt, sein Handeln wird sich an den Interessen der USA (ganz gleich ob sinnvoll oder nicht) ausrichten. Dies zu akzeptieren scheint immer noch schwerer zu sein als das Verständnis der Einstein’schen Realivitätstheorie.

Deutsche Medien und Politiker können es einfach nicht lassen, immer noch ständig auf jede Lebensäußerung des Mannes einzugehen, jeder Tweet wird immer noch zum Skandal hochstilisiert. Es wird darin gebadet. 
Mal im Ernst, meint einer dieser Journalisten, dass es Mr. Trump auch nur einen Hauch interessiert. Ein Mann, der ein ganzes Imperium aus Immobilien, Spielcasinos und Markenartikeln aufgebaut hat, wird es nicht interessieren, was ein deutscher Journalist mit Philosophie-Studium, der auch schon als Jugendlicher eifrig für die Schülerzeitung schrieb und meinetwegen ein oder zwei deutsche Medienpreise auf dem kleinen IKEA-Schreibtisch zu Hause am Fenster hat über ihn denkt. 
Gleiches gilt für deutsche Berufspolitiker mit abgebrochenem Studium und jahrzentelanger Mitarbeit im veganen Kuchenbacken und T-Shirt-Bepinselung für Afrika oder Baumrettungsaktionen mit Anketten. 
Das ist lächerlich! Backt lieber weiter Kuchen! 

Haltet sie fest!

Wahlanalyse
Diese Wahlanalyse ist eine Ergebnisanalyse. Rund 20% haben wir bei der Bundestagswahl erhalten. Damit steht eine weitere große Koalition in Frage. Martin Schulz hat diese gleich ausgeschlossen, für mich steht sie nur in Frage. 
Der Wahlkampf war hart und alles andere als langweilig. Unser Wahlkampf hatte schon im Februar angefangen, während Frau Merkel mti der Union erst ab Juli langsam so richtig in den Wahlkampfmodus kam. Hierdurch und durch den „Schulz-Hype“ hatten man einen großen Vorsprung, sowohl zeitlich, emotional als auch inhaltlich. Das Kurzprogramm der Union umfasst aus 14 Seiten, hier lese ich nichts wirklich neues oder altes. Es ist mehr ein netter Erzähltext für eine Gute-Nacht-Geschichte. Selbstkritik kommt schon gar nicht darin vor. Der Text bleibt schwammig, neblig, unklar und allgemein wie der Regierungsstil von Angela Merkel.
Der Wahlkampf der SPD ware im Vergleich dazu konkret. Waren er vielleiht zu konrket an manchen Stellen? Nein. Ein journalistisches Credo lautet: Sagen, was ist. Da sollte auch in der Politik gelten. Schönreden bringt nichts. Aber wer im Merkel-Schleudergang mit dabei war, erholt sich so schnell nicht davon. Die SPD hatte eine schwierige Position. Als jahrelanger Koalitionspartner konnten wir nicht überzeugend als Gegenkraft auftreten. Das schlechte Wahlergebnis liegt daher nicht am Kandidaten oder am Wahlkampf selbst, sondern in der Natur der Sache. 
Ich glaube allerdings nicht, dass sie in der Opposition so viel besser aufgehoben ist. Hier werden sich die Beißhemmungen fortsetzen. In einer weiteren Großen Koalition könnten sie wenigstens einige ihrer konkreten Forderungen umsetzen, gerade jetzt, wo Frau Merkel selbst so schlecht dasteht. Am Wahlabend sagte Schulz in der Elefantenrunde zu Lindner und Göring-Eckardt, dass sie es ruhig probieren sollten mit Frau Merkel in ein Boot zu steigen. Sie würde ihnen alles ermöglichen. Warum nutzt er nicht selbst diese Chance? Es wäre eine Chance den „Ideen-Staubsauger“ mal in die andere Richtung zu lenken. 
Ein paar Worte noch zu Wahlkampf in der Zukunft. Vielleicht müssen Wahlkämpfe nicht bombastisch groß sein, keine großen Bühnen mit Technik, Lichtshows und Twitteraccounts, sondern einfach nahe am Menschen. In Werkshallen, in Schulen,  kleinen Kneipen, an runden Tischen. Was viel war, kann auch leicht des Guten zuviel sein. Meine persönliche Devise wäre: Kleiner, aber näher.

Jeder kann Kanzler

Ich habe mir wie viele andere auch die Sendung „klartext: Frau Merkel“ angesehen. Aus der Sendung habe ich eigentlich nur eines mitgenommen:  Jeder kann Kanzler. Es ist wie beim Auto- oder Fahrradfahren: Wer es einmal gelernt hat, verlernt es nicht mehr. Mit vorausschauendem Fahren Staus und Gefahren (Fragen des Publikums) weiträumig umfahren; und wenn es nicht weitergeht, einfach umdrehen.  Einzige Regel: Geschickt um den Wähler herumfahren, ohne ihn dabei umzufahren.

Die Antworten, die das Publikum dann bekommt wirken wie höfliche Bezeugungen, dass man den Frager wahrgenommen hat nach asiatischem Stil. Hier bedeutet „Ja“ erstmal  nur, dass man den Frager gehört hat.. Eine höfliche Geste nach dem Motto: „Vielen Dank für den Hinweis, wir werden gleich eine weitere Kasse eröffnen.“ 
Die Frage ist nur, brauchen wir solche Politiker? Gerade in Zeiten der Unsicherheit müssten auf klare Fragen, klare Antworten gegeben werden können. Selbstverständlich will man sich auf nichts festlegen lassen, falls der Wind sich nach der Wahl  doch dreht.  Aber das ist eigentlich nicht, wofür der Wähler seine Stimme abgab. 
Der Kanzlerin-Herausforderer Martin Schulz schaffte zumindest noch eine andere nette Geste. Er suchte bei jeder Frage die Nähe zu den Menschen und setzte sich immer direkt neben den Frager. Da musste der Tonmann schonmal mit der Ton-Angel beiseite rücken, wenn Martin kommt. Diese Geste der Menschlichkeit sparte sich die sonst so menschliche Merkel.
Zugegeben, ein- oder zweimal ist es nett und erfrischend heimelig, aber dann ist auch gut. Martin Schulz hat es während der Sendung „Klartext: Herr Schulz“  bis zur Erschöpfung betrieben. Ob es geholfen hat, wird man am 24.9 sehen. Er schaffte zumindest meist in den Antworten konkreter zu bleiben als Angela Merkel. Das ist schon mal was. Aber bisher nur eine kleine Abweichung vom gewohnten : „Wir schaffen das.“ 
So heißt es dann: Jeder kann Kanzler. 
Ganz gleich, wer die Bundestagswahl gewinnt, Merkel oder Schulz, der Wähler, der am 24.9 den Parteien seine Stimme gibt, hat bessere Antworten verdient. Ja, er hat es verdient, dass ihm eine Frau Merkel oder Herr Schulz klipp und klar sagt, was sie in den nächsten vier Jahren vor hat.  Seine Stimme ist nicht  der Vorschuss für Wohlfühl-Antworten, sondern ist die Forderung für: „Kümmert euch, löst das Problem.“ Unkonkrete Antworten nach vier Jahren sind nichts, womit sich der Wähler zufrieden geben sollte. Ansonsten kann eben jeder Kanzler. Auch der Wähler, er muss nur nen Führerschein haben.

Weidel geht, Scheuer dreht

Da Sprache die tägliche Arbeit des Korrektors ist, interessiert mich auch besonders das, was nicht gesagt wird. Beim Duell vom 5.9 „wie geht’s deutschland“ im ZDF verlies AFD-Spitzenkandidatin Alice Weidel überraschend das Fernsehstudio. Anlass war eine Äußerung von Andreas Scheuer (CSU) über Flüchtlinge, ohne Aufenthaltsberechtigung in Deutschland. Diese sollen nach Scheuer künftig in Deutschland bleiben können, wenn sie hier bereits eine Beschäftigung oder Ausbildung begonnen haben. Empört darüber verließ Weidel das Studio, die Zuschauer klatschten, die Anwesenden der übrigen Parteien rückten näher zusammen. Auch zwei Tage danach beschäftigt die Medien dieser Moment.. 

Doch was hier völlig untergegangen ging: Die CSU hat anscheinend ihre Forderung nach einer Obergrenze und weiterer Abschiebemaßnahmen komplett aufgegeben aufgegeben. Das ist eine Wende um 180 Grad und keiner hat es bemerkt. Das müsste eigentlich genügend Stoff für einen Sturm der Entrüstung innerhalb der Union sein. Bisher ist davon aber weit und breit nichts zu lesen. War es ein Versprecher Scheuers? 
Sicher aber war er froh, dass Weidel ging und nicht weiter nachbohren konnte. Fest steht, weder Weidel noch Scheuer wird der Auftritt einen großen Nutzen gebracht haben. Die Zuschauer wissen nun, dass Alice Weidel sich nicht immer Griff hat und (wer es gemerkt hat) Andy Scheuer mal eben in bester Merkel-Mannier Änderungen am eigenen Wahlprogramm vornimmt und froh ist, wenn’s keiner merkt. 
Wir haben’s aber doch gemerkt. Ätsch!

Christian Lindner und was ihm fehlt.

Hamburg, 1.September. Hotel Atlantic: Die Bühne im großen Saal ist leer.  Manche wirken, als hätten sie sich für einen Abend in der Oper oder ein Klavierkonzert zurechtgemacht, auch ich bin darunter, aus Neugier. Aber nicht Lang-Lang hat hier gerade ein Konzert gegeben, sondern der alte und neue Spitzenkandidat der FDP, Christian Lindner (Foto: Mitte).

Foto: Andreas Stadler

Die Gelben sind wieder da. Zumindest, wenn es nach Lindner geht. Mittlerweile aber in einem Mix aus blau, knalligem pink und dem gewohnten Gelb. Farbpsychologisch nicht unbedingt die beste Kombination.
Lindner hat hier gerade das neue Wahlprogramm seiner Partei vorgestellt, und natürlich sich selbst. Jetzt wird er umringt von Journalisten und Parteianhängern. Gerade noch hat er in seiner Rede sich über die Selfies der Kanzlerin lustig gemacht. Selfies mit Parteianhängern sind ihm jetzt willkommen.
Seine Rede war gewohnt geschliffe und eigentlich war auch alles dabei:  Innovation, Automobilbranche, Wirtschaft, Finanzen und Europa. Ja, richtig leidenschaftlich wirkte er hier.  Er lobte Macrons Reformen im Arbeitsrecht. Dieser steht aber gerade deswegen unter Beschuss. Auch das Thema Flüchtlinge fiel bei ihm nicht unter den Tisch, kam aber zuletzt.  Migranten sollen in Zukunft nach einer genauen Prüfung der Qualifikation nach Deutschland kommen. entscheiden.
Klingt gut, ist aber nichts Neues. Drittstärkste Kraft will die FPD werden, das ist das jedenfalls das Ziel von Lindner. Die Umfragen scheinen ihm Recht zu geben. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht am 1. September die FDP bei 10%. Doch noch immer fehlt diesem Spitzenkandidat und seiner neuen alten Partei etwas:
Ein ausgeprägtes Interesse an allen Menschen, an allen Wählern. Die FDP war und bleibt eine Klientelpartei. Der Status „Arbeitslos“ fehlt bei den Angaben zur eigenen Person in den Aufnahmeanträgen, die überall in Klappkärtchen auf den Tischen liegen. Auch ist der Mindestbeitrag um 5 Euro höher als z.B. in der SPD. Neu sind bei der FDP nur die Farben.
„Wir werden bestimmt wieder Fehler, aber nicht die gleichen“, sagt Lindner zum Schluss. Großes Gelächter und Applaus im Saal. Mit diesen humorvollen Worten beendet er seine Rede. Einen hat er jetzt schon gemacht.

The age of coffee in the morning

Sie kennen es sicher, als Erwachsener, als Jugendlicher so um die 14-16 Jahre. Man braucht einfach etwas am Morgen, etwas mehr als nur die morgendlichen Sonnenstrahlen, die durchs Fenster aufs Gesicht scheinen und vielleicht noch die schwerliche Motivation, dass das ein schöner Tag wird. Ohne Kaffee (oder starken Tee) geht es nicht. Ohne kann man nicht klar denken, ist nur ein halber Mensch. Dann ist es soweit, dann ist man wohl erwachsen, dann hat man den Schritt getan, dann gehört man dazu, zur Mehrheitsgesellschaft, die sich von Kindergetränken wie Kakao oder Saft verabschiedet hat. Jetzt einen schnellen starken Kaffee und einen kleinen Bissen vom Croissant, oder auch nur einen kleinen Keks, getunkt in den heißen Kaffee oder Tee. Die Hälfte der Menschen auf der Welt begeht so allmorgendlich den Tag, besonders in den beliebten Mittelmeerländern. Die gelten den Deutschen ja Rückzugsgebiet für die Regenration, gesunde Küche, gesundes Leben, Neuerfindung und Selbstfindung. Nun bin ich also auch dort angekommen. Ohne starken Kaffee (oder Tee) geht es nicht mehr. Schlimm? Nein. Im Gegenteil: Willkommen im Leben. Und bloß nicht entkoffiiniert!

Quasselstrippen und Wasserwerfer

„Wann ist ein Mann?“, fragte schon Herber Grönemeyer in seinem bekannten Lied. Wann also ist der Mann ein Mann. Dass Stereotype Vorstellungen vom Mann-Sein existieren, ist seit langem klar. Sie prägen das Bild vom Mann in den Medien. Die Bilder in den Medien gehen über in den  Alltag. Wir meinen, ein Mann ist stark, muskulös, hart, konsequent, verwendet wenig Worte. Wenn also ein Mann sich mehr Worte beim Sprechen bedient als nötig, widerspricht diesem Bild. Gilt er dann noch als Mann? Viele meinen, ein Mann wirke dann unsicher. Stimmt das? Zu den folgenden sprachpsychologischen Überlegungen brachte mich ein Gespräch mit einem Bekannten über Unsicherheit und worin sich diese körperlich beim Menschen äußert.

Man kann sich fragen, warum verwendet jemand viele Worte, um einfache Sachverhalte zu vermitteln? Politiker kleiden recht einfache Sachverhalte in viele Worte, weil damit verschiedene Interessen verbunden  sind, verschiedene Gruppen sollen gleichzeitig angesprochen werden, niemand soll sich ausgenommen fühlen, vor allem nicht die Wähler, aus den Worten sollen keine direkten Forderungen ableitbar sein, ungünstige Fragen umgangen werden. Unsicherheit soll aus dem Sprechakt eliminiert werden. In Wirklichkeit wird aber so deutlich, dass Unsicherheit dien Sprechakt beherrscht. Wenn man viele Worte in einem einfachen Sachverhalt verwendet, kann zurecht also unsicher bezeichnet werden. Nicht hingegen aber bei vielen Worten bei komplizierten Sachverhalten. Doch natürlich ist ist dies nicht geschlechterabhängig. Auch eine Frau, die viele Worte bei einfachen Sachverhalten verwendet, kann zurecht als unsicher bezeichnet werden. Anlass für die vielen Worte ist häufig die eigene Unkenntnis über den Sachverhalt, den man mit den vielen Worten zu überdecken versucht. Vergleichbar mit dem Staub, der aufgewirbelt wird,  um  die plötzliche Flucht zu verschleiern. Man macht sich aus dem Staub. Der Staub, die vielen Worte dienen der Verschleierung dieser Flucht. Plötzlich ist man weg, aus dem Augen verschwunden, eben war Mann noch, doch jetzt ist man weg.  Von jetzt auf gleich und keiner hat’s gemerkt. Nur viele Worte wurden gehört, aber übrig bleibt nichts.
Was sind dann also sogenannte Quasselstrippen? Landläufig bezeichnet man Leute als Quasselstrippen, die gerne und viel reden. Angeblich wollen sie sich in den Vordergrund spielen, sie wollen immer die Bühne beherrschen, wollen im Rampenlicht stehen. Doch mit den o.g. Überlegungen sind diese Individuen eher als unsicher zu bezeichnen. Sie verwenden unzählig viele Worte, reden viel, um viel Staub aufzuwirbeln, um sich hinter diesen Worten zu verstecken, um hinter ihnen zu verschwinden. Man ist also nicht wie oft angenommen offen, expressiv und extrovertiert, sondern genau das Gegenteil. Man steckt hinter einem ständigen Schutzwall von Worten. Man ist scheinbar mitten auf der Bühne, im Rampenlicht und doch versteckt. Hinter einer Maske, einer Wortmaske. Man redet viel, doch will gleichzeitig nicht die Verantwortung für das Gesprochene übernehmen. Man redet um des Redenswillen; damit ein wichtiger Kontakt nicht abbricht, weil man den Abbruch nicht ertragen könnte;  damit der Hörer nicht die Gelegenheit bekommt nachzufragen, nichts würde man mehr fürchten. 
Männliche Quasselstrippen mögen in der Realität selten sein. Doch es gibt sie, auch nicht so selten. Wo sie auftreten, werden sie kontakarieren sie unser Bild vom Mann, das sich so durch Medien eingegraben hat in das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft: Die Figuren des Schauspielers Clint Eastwood, James Bond, Rambo, Schimanski. Sie alle verwendeten wenig Worte für das Gesagte. Einfache Sätze reichten, oft nur Halbsätze, um das Gesagte zusagen und sich selbst zu skizzieren. Natürlich ist ebenso klar, dass auch ihr Einsatz von Waffen für das Erreichen von Zielen eine Unsicherheit beweist. Wer nicht reden kann, wer keine Argumente mehr hat, der gebraucht den harten Weg, den Weg der Waffe, oder auch wie am letzten Wochenende in Hamburg auf dem G20-Gipfel gesehen, den Wasserwerfer.  
Auch hier, auch wenn es ein legitimes Mittel der Verteidigung und Ordnungswiderherstellung darstellt, ist ein Wasserwerfer nichts anderes als viele Werfer, eine Waffe: es ist eine Kapitulation gegenüber friedlichen Demonstranten. Die Polizei in Hamburg sah sich machtlos, argumentslos gegenüber den vermummten Demonstranten. Wo Argumente fehlen, müssen Waffen her. Auch hier ist eine gewisse Unsicherheit der Polizei deutlich spürbar gewesen. Dieser sollte genau aber durch die Wahl der Mittel verdeckt werden.  Mal sind es viele Worte, mal ist es viel Wasser, die den Nebel erzeugen, hinter dem man verschwinden will.

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