Da Sprache die tägliche Arbeit des Korrektors ist, interessiert mich auch besonders das, was nicht gesagt wird. Beim Duell vom 5.9 „wie geht’s deutschland“ im ZDF verlies AFD-Spitzenkandidatin Alice Weidel überraschend das Fernsehstudio. Anlass war eine Äußerung von Andreas Scheuer (CSU) über Flüchtlinge, ohne Aufenthaltsberechtigung in Deutschland. Diese sollen nach Scheuer künftig in Deutschland bleiben können, wenn sie hier bereits eine Beschäftigung oder Ausbildung begonnen haben. Empört darüber verließ Weidel das Studio, die Zuschauer klatschten, die Anwesenden der übrigen Parteien rückten näher zusammen. Auch zwei Tage danach beschäftigt die Medien dieser Moment.. 

Doch was hier völlig untergegangen ging: Die CSU hat anscheinend ihre Forderung nach einer Obergrenze und weiterer Abschiebemaßnahmen komplett aufgegeben aufgegeben. Das ist eine Wende um 180 Grad und keiner hat es bemerkt. Das müsste eigentlich genügend Stoff für einen Sturm der Entrüstung innerhalb der Union sein. Bisher ist davon aber weit und breit nichts zu lesen. War es ein Versprecher Scheuers? 
Sicher aber war er froh, dass Weidel ging und nicht weiter nachbohren konnte. Fest steht, weder Weidel noch Scheuer wird der Auftritt einen großen Nutzen gebracht haben. Die Zuschauer wissen nun, dass Alice Weidel sich nicht immer Griff hat und (wer es gemerkt hat) Andy Scheuer mal eben in bester Merkel-Mannier Änderungen am eigenen Wahlprogramm vornimmt und froh ist, wenn’s keiner merkt. 
Wir haben’s aber doch gemerkt. Ätsch!