Hamburg, 1.September. Hotel Atlantic: Die Bühne im großen Saal ist leer.  Manche wirken, als hätten sie sich für einen Abend in der Oper oder ein Klavierkonzert zurechtgemacht, auch ich bin darunter, aus Neugier. Aber nicht Lang-Lang hat hier gerade ein Konzert gegeben, sondern der alte und neue Spitzenkandidat der FDP, Christian Lindner (Foto: Mitte).

Foto: Andreas Stadler

Die Gelben sind wieder da. Zumindest, wenn es nach Lindner geht. Mittlerweile aber in einem Mix aus blau, knalligem pink und dem gewohnten Gelb. Farbpsychologisch nicht unbedingt die beste Kombination.
Lindner hat hier gerade das neue Wahlprogramm seiner Partei vorgestellt, und natürlich sich selbst. Jetzt wird er umringt von Journalisten und Parteianhängern. Gerade noch hat er in seiner Rede sich über die Selfies der Kanzlerin lustig gemacht. Selfies mit Parteianhängern sind ihm jetzt willkommen.
Seine Rede war gewohnt geschliffe und eigentlich war auch alles dabei:  Innovation, Automobilbranche, Wirtschaft, Finanzen und Europa. Ja, richtig leidenschaftlich wirkte er hier.  Er lobte Macrons Reformen im Arbeitsrecht. Dieser steht aber gerade deswegen unter Beschuss. Auch das Thema Flüchtlinge fiel bei ihm nicht unter den Tisch, kam aber zuletzt.  Migranten sollen in Zukunft nach einer genauen Prüfung der Qualifikation nach Deutschland kommen. entscheiden.
Klingt gut, ist aber nichts Neues. Drittstärkste Kraft will die FPD werden, das ist das jedenfalls das Ziel von Lindner. Die Umfragen scheinen ihm Recht zu geben. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht am 1. September die FDP bei 10%. Doch noch immer fehlt diesem Spitzenkandidat und seiner neuen alten Partei etwas:
Ein ausgeprägtes Interesse an allen Menschen, an allen Wählern. Die FDP war und bleibt eine Klientelpartei. Der Status „Arbeitslos“ fehlt bei den Angaben zur eigenen Person in den Aufnahmeanträgen, die überall in Klappkärtchen auf den Tischen liegen. Auch ist der Mindestbeitrag um 5 Euro höher als z.B. in der SPD. Neu sind bei der FDP nur die Farben.
„Wir werden bestimmt wieder Fehler, aber nicht die gleichen“, sagt Lindner zum Schluss. Großes Gelächter und Applaus im Saal. Mit diesen humorvollen Worten beendet er seine Rede. Einen hat er jetzt schon gemacht.