„Wann ist ein Mann?“, fragte schon Herber Grönemeyer in seinem bekannten Lied. Wann also ist der Mann ein Mann. Dass Stereotype Vorstellungen vom Mann-Sein existieren, ist seit langem klar. Sie prägen das Bild vom Mann in den Medien. Die Bilder in den Medien gehen über in den  Alltag. Wir meinen, ein Mann ist stark, muskulös, hart, konsequent, verwendet wenig Worte. Wenn also ein Mann sich mehr Worte beim Sprechen bedient als nötig, widerspricht diesem Bild. Gilt er dann noch als Mann? Viele meinen, ein Mann wirke dann unsicher. Stimmt das? Zu den folgenden sprachpsychologischen Überlegungen brachte mich ein Gespräch mit einem Bekannten über Unsicherheit und worin sich diese körperlich beim Menschen äußert.

Man kann sich fragen, warum verwendet jemand viele Worte, um einfache Sachverhalte zu vermitteln? Politiker kleiden recht einfache Sachverhalte in viele Worte, weil damit verschiedene Interessen verbunden  sind, verschiedene Gruppen sollen gleichzeitig angesprochen werden, niemand soll sich ausgenommen fühlen, vor allem nicht die Wähler, aus den Worten sollen keine direkten Forderungen ableitbar sein, ungünstige Fragen umgangen werden. Unsicherheit soll aus dem Sprechakt eliminiert werden. In Wirklichkeit wird aber so deutlich, dass Unsicherheit dien Sprechakt beherrscht. Wenn man viele Worte in einem einfachen Sachverhalt verwendet, kann zurecht also unsicher bezeichnet werden. Nicht hingegen aber bei vielen Worten bei komplizierten Sachverhalten. Doch natürlich ist ist dies nicht geschlechterabhängig. Auch eine Frau, die viele Worte bei einfachen Sachverhalten verwendet, kann zurecht als unsicher bezeichnet werden. Anlass für die vielen Worte ist häufig die eigene Unkenntnis über den Sachverhalt, den man mit den vielen Worten zu überdecken versucht. Vergleichbar mit dem Staub, der aufgewirbelt wird,  um  die plötzliche Flucht zu verschleiern. Man macht sich aus dem Staub. Der Staub, die vielen Worte dienen der Verschleierung dieser Flucht. Plötzlich ist man weg, aus dem Augen verschwunden, eben war Mann noch, doch jetzt ist man weg.  Von jetzt auf gleich und keiner hat’s gemerkt. Nur viele Worte wurden gehört, aber übrig bleibt nichts.
Was sind dann also sogenannte Quasselstrippen? Landläufig bezeichnet man Leute als Quasselstrippen, die gerne und viel reden. Angeblich wollen sie sich in den Vordergrund spielen, sie wollen immer die Bühne beherrschen, wollen im Rampenlicht stehen. Doch mit den o.g. Überlegungen sind diese Individuen eher als unsicher zu bezeichnen. Sie verwenden unzählig viele Worte, reden viel, um viel Staub aufzuwirbeln, um sich hinter diesen Worten zu verstecken, um hinter ihnen zu verschwinden. Man ist also nicht wie oft angenommen offen, expressiv und extrovertiert, sondern genau das Gegenteil. Man steckt hinter einem ständigen Schutzwall von Worten. Man ist scheinbar mitten auf der Bühne, im Rampenlicht und doch versteckt. Hinter einer Maske, einer Wortmaske. Man redet viel, doch will gleichzeitig nicht die Verantwortung für das Gesprochene übernehmen. Man redet um des Redenswillen; damit ein wichtiger Kontakt nicht abbricht, weil man den Abbruch nicht ertragen könnte;  damit der Hörer nicht die Gelegenheit bekommt nachzufragen, nichts würde man mehr fürchten. 
Männliche Quasselstrippen mögen in der Realität selten sein. Doch es gibt sie, auch nicht so selten. Wo sie auftreten, werden sie kontakarieren sie unser Bild vom Mann, das sich so durch Medien eingegraben hat in das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft: Die Figuren des Schauspielers Clint Eastwood, James Bond, Rambo, Schimanski. Sie alle verwendeten wenig Worte für das Gesagte. Einfache Sätze reichten, oft nur Halbsätze, um das Gesagte zusagen und sich selbst zu skizzieren. Natürlich ist ebenso klar, dass auch ihr Einsatz von Waffen für das Erreichen von Zielen eine Unsicherheit beweist. Wer nicht reden kann, wer keine Argumente mehr hat, der gebraucht den harten Weg, den Weg der Waffe, oder auch wie am letzten Wochenende in Hamburg auf dem G20-Gipfel gesehen, den Wasserwerfer.  
Auch hier, auch wenn es ein legitimes Mittel der Verteidigung und Ordnungswiderherstellung darstellt, ist ein Wasserwerfer nichts anderes als viele Werfer, eine Waffe: es ist eine Kapitulation gegenüber friedlichen Demonstranten. Die Polizei in Hamburg sah sich machtlos, argumentslos gegenüber den vermummten Demonstranten. Wo Argumente fehlen, müssen Waffen her. Auch hier ist eine gewisse Unsicherheit der Polizei deutlich spürbar gewesen. Dieser sollte genau aber durch die Wahl der Mittel verdeckt werden.  Mal sind es viele Worte, mal ist es viel Wasser, die den Nebel erzeugen, hinter dem man verschwinden will.