Nun gibt es sie: Die Ehe für alle, nun auch in Deutschland. Ja, die Ehe für alle kann helfen durch die begriffliche Gleichstellung, Diskriminierungen gegenüber Schwulen und Lesben im Vorfelde abzubauen. Auch wenn Anfeidungen, Spott und Hähme nicht ganz verschwinden werden, so können nun  gleichgeschlechtliche Partnerschaften und überhaupt gleichgeschlechtliche Sexualität als normaler empfunden. Sie haben nicht länger den Sonderstatus.  

Allerdings kommt die Ehe für alle  eigentlich zu spät, in eine Zeit, in der die „Ehe“ sowieso an Bedeutung verloren hat. Wer betreibt außer bibeltreuen evangelikalen Christen schon noch die Enthaltsamkeit vor der Eheschließung. Wirklich, tatsächlich, und nicht nur im Versprechen bei der ersten Vorstellung des zukünftigen Bräutigams vor den streng-katholischen Schwiegereltern in spe. So wechseln Hetero-Ehe und Homo-Ehe also die Plätze. Was die einen schon mehr und mehr aufgeben, es als abgetragen im Kleiderschrank hängen lassen, entdecken die anderen nun plötzlich für sich neu als das pure Glück. Ein Second-Hand-Laden der Traditionen. Aber so war es schon immer mit neuen Trends.  Irgendeiner gräbt was Altes aus und verkauft es als brandneu.
Und auch um die Politik an dieser Stelle nicht ganz zu vergessen. Die SPD feiert sich im Moment selbst für ihren gelungenen Coup. Ja, das war ein starkes Stück und es ist verdient. Aber: im Kontrast zu meiner eigener Partei, der SPD: Es wäre besser gewesen die Ehe für alle aus der Bevölkerung her entscheiden zu lassen. Ein Volksentscheid, so wie auch in anderen europäischen Ländern über dieses Thema abgestimmt wurde. So hätte man auch die heterosexuelle Mehrheit in diesem Lande mitnehmen können. Doch so wirkt es, als wäre mal wieder von oben herab abgestimmt.  Zum Teil von Abgeordneten, die selbst davon betroffen sind. Wasser auf die Mühlen von rechtsnationalen Parteien. Mal wieder aus Berlin, mal wieder von oben.