Eine Rampe auf der Kieler Woche, wo sich todesmutige Menschen auf Fahrrädern und Surfbrettern ins Wasser stürzen, beklatscht von einer Menge; eine Masse Menschen in einer Kneipe, die plötzlich zum Hit „I’m a Barbie-Girl“ auf den Tischen tanzen, sich rekeln, sich über die Haare streichen, und ein Hamburger mit süßer Tomatensoße. Was haben diese drei Dinge miteinander zu tun? Nun, sehr viel: Es handelt sich um eine Infantilisierung der Gesellschaft, des Geschmacks, kulturell, musikalisch oder kulinarisch. 

Je verunsicherter eine Gesellschaft desto sinnloser sind die Spiele, die Musik und das Essen. Die berühmte amerikanische Fast-Food-Kette mit dem großen M betreibt schon seit ihrer Entstehung eine verkindlichung des Geschmacks durch den Einsatz von sehr viel Zucker und Verfälschung des Burger-Konzeptes. Wer in einem Diner mal einen Hamburger bestellt, wird sich wundern, wie groß, wie anders eigentlich ein Hamburger ist und schmeckt – und wie weit er von dem entfernt ist, was die FastFood-Kette anbietet. Es wird einem auch bewusst, um wieviel Geld, Zutaten und Geschmack man eigentlich geprellt wurde. Denn oft bekommt man einen guten Hamburger zum gleichen Preis wie einen schlechten Hamburger aus der Fast-Food-Kette. Das Brötchen ist bissfesst, frisch, das Fleisch ist saftig und es gab dazu Zwiebeln und Pommes – nur die nervige süße Tomatensoße fehlt. Und man merkt, wozu sie eigentlich da war. Um die miserable Qualität des Fast-Food-Produktes zu überdecken. Doch das Bild vom süßen Hamburger oder Cheeseburger mit dem wabbeligen „Brötchen“ hat sich irgenwie eingebrannt.  Den speziellen süßen Ketchup gibt es längst im Supermarkt zu kaufen. Nur so ist zu verstehen, warum die Fast-Food-Kette mit dem großen M trotz Konkurrenz von sehr viel besseren Dinern, Dönerläden immer noch regen Zulauf hat. Kinder wollen es so: es ist billig und es ist süß!
Der Hit „Barbie-Girl“ versetzt urplötzlich junge Menschen in  ihr Kindesalter zurück, Frauen und Männer, wo sie noch mit Puppen spielten, wo sie noch unschuldig waren. Die Aussage des Songs ist rein sexuell und gleich null: „You can brush my hair and (un)dress me everywhere“. Barbie bietet sich an, Ken antwortet: „Let’s go party.“ „Aa, aa, aa, yeah.“ Dass der Song trotzdem auf jeder Party wunder wirkt hat eben mit jener Infantilisierung zu tun. Das erstreitet man erst hart jedes Quäntchen Gleichberechtigung, kämpft gegen Sexismus und wirft alles in null komma nix wieder über Board, sobald dieser Song erklingt. Eigentlich sollten die Kämpfer und Kämpferinnen gegen Sexismus den DJ ausbuhen. 
Dass dieselben Leute auch noch Menschen beklatschen, die sich von einer Rampe auf einem rollenden Surfbrett ins Wasser folgt dem selben Muster. Welchen Sinn verfolgt dieses Spiel? Veranstalter des Ganzen ist eine bekannte Software-Firma. Jedes Mal wenn ein neuer Mutiger an den Start geht, gibt es hohe Flammen und ein paar Raketen werden schießen in den Nachthimmel. Dann rast der Todesmutige die lange Rampe hinunter und…fällt in Wasser. Manchmal gelingt noch ein  hübscher Salto bevor Fahrer und Gefährt aufklatschen. Ziel des Spiels? Vielleicht ein kostenloses Update? Die neueste Version von MS Office? Windows 11? 
Ein Update hätte die Gesellschaft dringend nötig! Sie hat sich in einer Spirale des Infantilismus verfangen und scheint nur noch um ihre verlorene Kindheit zu kreisen: kulturell, musikalisch und geschmacklich!